Schweiz

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Posted by flavio

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[…] Jetzt sitzt er vielleicht ganz zufrieden auf dem Bänklein in seinem Schrebergarten und geniesst den lauen Sommerabend. Wohl eher nicht. Nein. Der ist immer unzufrieden. Das ist Herr Unzufrieden. Und Herr Unzufrieden streut jetzt gerade giftblaue Schneckenkörner auf seine Beete. Er hasst Schnecken und würde es ihn nicht so ekeln, würde er jede Schnecke mit der Gartenschere einzeln zerschneiden. Schnipp schnapp, eine nach der anderen, dass das Gedärm zerspritze. Herr Unzufridens Albtraum ist eine Schneckeninavasion. Tausende von Nacktschnecken stellt er sich vor, wie sie von den Nachbars- gärten in den seinen rüberkriechen. Alles auffressen. Mit ihrem Schleim die Erde ersticken. Vielleicht traut Herr Unzufrieden dem Schneckengift nicht mehr lange, vielleicht plant er schon den Bau einer hohen Mau- er um seinen Garten. Und sein Garten wird die letzte Bastion gegen die invasiven Schnecken sein. […]

[…]  Der Schatten wächst, die Wolke wird immer grösser, sie stürzt auf uns. Von allen Seiten nähern sich Krebse in bedrohlichem Gang, sie schnappen mit ihren Zangen, sie sind da, um dich zu verschlingen. Peitschen knallen. Du rennst weg, du fliehst so schnell du kannst. Etwas Grosses will uns haben, wir können ihm nicht entfliehen. Felsbrocken rollen herunter, lassen die Erde erzittern, rollen in voller Geschwindigkeit und kommen immer näher, sie überrollen deinen Körper, ich schaue dich an, und du rennst, du rennst vergeblich, die Steinmassen sind da, sie berühren dich, sie überrollen dich. Da liegst du nun, zugeschüttet, wie ein Berg, ein Haufen Steine, ein Massiv, du liegst darunter, erstickt, eingemauert, du bist verschwunden. […]

[…] Hätt’ ich doch.
Ach.
Wär’ ich doch.
Ach.
Zu spät.
Jetzt wurden wir hängen gelassen. Haben uns hängen las- sen. Wir
hängen am Berg. Verrückt und unverrückbar. Ich hänge sowieso schon an den Bergen. Immer. Ich liebe sie. Die frische Luft, nicht den eisigen Wind, der mir jetzt entgegenpeitscht; die Freiheit, nicht die Angst, die ich jetzt bis in die Zehen spür’. Und vielleicht noch ein bisschen die Furcht, die Furcht, es nicht zu schaffen, sie treibt mich an, seit im- mer. Versagen ist die grösste Sünde in diesem Land. Es ist ein Wahn, ein Grössenwahn, den wir betreiben, von dem wir uns treiben lassen, der uns treibt. In letzter Zeit immer mehr.
Ich kann mich ihm nicht entziehen.
Ach.
Hätt’ ich doch.
Ach.
Wär’ ich doch.
Ach.
Zu spät. […]

[…]  Hörst du sie, die da unten, sie feiern den Luxus des Luxus. Und wir vier da oben. Wie ein Witz. Aus jeder Sprachregion ein Mann, festge- macht an der Eigernordwand. Und dann regnet es auch noch.
Aber … eigentlich lieben wir uns.
Sie lieben mich, wie man ein seltenes Tier liebt … aber sie lieben mich. Das sieht man.
Ja, ich liebe euch auch, liebe Landsleute! […]

SVIZZERASCHWEIZSUISSESVIZRA 14 - set 29, 2014 | Schweiz
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